Nordsee-Zeitung vom 5.7.2018
Wortgewandt und wandlungsfähig

Und schon sind die Besucher mitten drin im Geschehen von „Verliebt, verlobt, verschwunden“, dem Ein-Frau-Stück des österreichischen Erfolgsautors und Kabarettisten Stefan Vögel. Dayen
Tuskan, in der Ichform auftretend, verkörpert darin – unter der Regie von Roberto Widmer – bravourös die vom Schicksal überraschte Solistin.

Was ist Dayen passiert? Warum gleich Mordfantasien zu Beginn? Statt am Morgen der Trauung Bräutigam Jan zu sehen, findet sie einen Strauß Rosen und einen Zettel mit den drei Wörtern „Ich kann nicht“. Er, der die Hochzeit gewollt hat, kann plötzlich nicht? Im ersten Zorn flüchtet sie im Brautkleid wütend und traurig
hinauf in das Baumhaus ihrer glücklichen, von Märchen belebten Kindheit. Dort kann Dayen all ihren Frust über die demütigende Situation und ihren Jan abladen. Damit nicht genug, kommt bei ihr in einem, die Zuschauer miteinbeziehenden, satirischen Selbstgespräch viel in Ironie verpackte Lebenserfahrung hoch.

Dazu zählt auch der Rückblick auf die achtzehn Jahre ihrer ersten Ehe und Ex-Mann Mike. „Wie blöd muss man sein, um zweimal aus Liebe zu heiraten? Der Ehegatte ist zum Begatten, zum Lieben aber der Liebhaber.“ Überhaupt sind Männer seit der voreilig abgeschlossenen Schöpfung fehlerhaft: Gott hat nach dem Prinzip „Weniger ist mehr“ gehandelt. Eine Frau hätte das Design überarbeitet und optimiert. Lernbegierige beiderlei Geschlechts können in ihrer eigenen Beziehung die Einzelheiten von Dayens Männerausschlussverfahren (Jan hatte es bestanden!) überprüfen. Sie entdecken, wie bedeutungsschwer Drei-Wörter-Nachrichten sind von „Ich liebe dich“ über „Sie sind schwanger“ bis „Wir sind pleite“ und wie schön Glücksbotschaften mit sieben Wörtern sein können.

Dayen Tuskan entfaltet ihre darstellerischen Möglichkeiten mit gewinnendem Charme und spürbar großer Lust am Spiel mit Worten und Emotionen. Hinreißend inszeniert sie – dank der im Baumhaus noch vorhandenen Puppenkiste – mit Handpuppen ihre Geschichte als Märchen von der Prinzessin und dem Prinzen. Ruhig und eindringlich offenbart sie, wie wichtig der Heiratsantrag für eine Frau ist. Dagegen spielt sie mit viel Witz und Temperament einen im doppelten Sinn Überraschungsbesuch bei ihrem Jan nach – ein komischer Höhepunkt.

Für ihre Wortgewandtheit, ihre Wandlungsfähigkeit und die pulsierende Spielfreude bekommt Dayen Tuskan den lang anhaltenden herzlichen und stürmischen Beifall. Zwar erfasst ihr spöttisch lästernder Redefluss situationsbedingt in besonderem Maße Männer, doch wenn sie humorbegabt sind, haben sie daran den gleichen Spaß wie Frauen, denn: „Es gibt nur zwei Geschlechter und damit keine Alternative.“

Ein kleiner Ratschlag: In bester Kabarettmanier richten sich Dayens Worte häufig direkt an das Publikum; wiederholt wird es zur Interaktion aufgefordert. Bei der Premiere gab sich das Auditorium zurückhaltend, Besucher der weiteren Vorstellungen sollten mutig reagieren. Es dürfte ihnen und Dayen Tuskan zusätzliche Freude bereiten.
























Was sagt die Presse zu MISERY:







NZ vom 2.1.2017





Nordsee-Zeitung 22.11.2016, Verfasser Norbert Duwe








Sonntags Journal Bremerhaven vom 7. Februar 2016, KULTURELLES  von Regina Kahle