Nordsee-Zeitung, 19 Oktober 2019

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Nordsee-Zeitung, 2 Oktober 2019


Nordsee-Zeitung, 21 September 2019

Devise von früh an: „Immer schön ruhig bleiben“

Bremerhaven. Eigentlich mag es niemand, wenn Verwandte oder Freunde einen sogenannten Dia-Abend veranstalten und stundenlang die neuesten Urlaubsbilder präsentieren. Trotzdem hat sich Daniel Meyer-Dinkgräfe, der neue Intendant des Piccolo Teatros dafür entschieden, sich seinem Publikum mit Fotos und kleinen Anekdoten aus seinem Leben vorzustellen. Mit zurückhaltend britischem Humor ließ er seine Gäste ganz nahe an sich herankommen und beweist damit, dass er den intimen, freundschaftlichen Geist des kleinen Theaters aufrechterhalten will.

Wie stellt man sich einem neuen Publikum vor, welches seit acht Jahren das Piccolo Teatro mit seinem Gründer Roberto Widmer verbindet? Simpel, direkt, ehrlich und nahbar, lautet die Antwort von Daniel Meyer-Dinkgräfe. Das Format hat er von einem Kollegen aus England übernommen, sagt er. Die ausufernde Länge der Veranstaltungen wolle er aber nicht übernehmen. In anderthalb Stunden erzählt der gebürtige Münchener von den Stationen seines Lebens, bis er nach Bremerhaven gekommen ist.

Obwohl nur wenige Besucher seiner Einladung gefolgt waren, eröffnet er den Abend entspannt und scheinbar ohne einen Hauch des Bedauerns. Das ruhige Selbstbewusstsein, mit dem er vorne am Bühnenrand sitzt, verdankt er wohl seinen zahlreichen, unterschiedlichen Lebenserfahrungen. Denn Daniel Meyer-Dinkgräfe ist ein Tausendsassa.

Er hat als Regisseur, Schauspieler, Professor und Hörbuch-Sprecher gearbeitet. 28 Jahre war er in England – und das merkt man. Immer wieder klingt ein leichter britischer Akzent durch.

Üben auch im Familienkreis
Mit blutverschmiertem Hemd, Bart und aufgerissenen Augen steht er vor schwarzem Hintergrund – auf dem Foto. „Das bin ich bei den Proben für das Musical Les Miserable“, erklärt er. „Als 2012 der Film herauskam, waren meine beiden Töchter so begeistert, dass sie das Musical mit der Familie aufführen wollten.“ Die eine Tochter schrieb das Stück um, die Andere passte die Musik an die Fähigkeiten der Darsteller an. Monatelang haben die Proben gedauert. Dafür durfte die Familie sogar die Studioräume der Universität Lincoln benutzen, wo Meyer-Dinkgräfe als Professor für Theaterwissenschaften arbeitete. Zum Schluss kamen allerdings nur drei fertige Szenen dabei heraus – und ein Foto, auf dem der Familienvater die Hauptrolle Jean Valjean mimt.

Ein anderes Bild zeigt ihn als Steppke mit Schnurrbart, auf den Knien seiner Mutter. Die Schauspielerin trat 1964 als Märchen-erzählerin in Aschenputtel im Staatstheater Oldenburg auf – und mit ihr der kleine Daniel Meyer-Dinkgräfe als Märchenpolizist. In seiner Rolle sollte er Aschenputtel den verlorenen Schuh auf einem Kissen reichen. Doch dann purzelte der plötzlich herunter. Bei dem Versuch, ihn aufzuheben, rutschte auch noch das Schwert aus dem Gürtel. Als er endlich wieder alle Requisiten beisammen hatte, sprach er seine einstudierte Textzeile: „Immer schön ruhig bleiben“ – und bekam den ersten Szenenapplaus seines Lebens.

Nicht alle dieser Anekdoten zünden bei den Zuschauern, aber sie bieten Einblicke in die Welt eines Theater-Ethusiasten. Schnell wird klar: Dieser Mann hat immer für das Theater gelebt – egal ob privat, in seiner Wissenschaftskarriere, hinter oder auf der Bühne.

Seine Begeisterung bringt er nun mit ins Piccolo Teatro – und zusätzlich einige neue, vor allem englische Einflüsse. Das zeigt sich auch am Spielplan. Zwei der vier Stücke sind von englischen Autoren. Und „Penelope – nacherzählt“ von Caroline Horton wird am 16. April 2020 sogar eine deutsch-sprachige Erstaufführung sein, da Meyer-Dinkgräfe das Stück selbst ins Deutsche übersetzt.

Wie seine bisherige Biografie vermuten lässt, begnügt sich der neue Intendant nicht mit einer Aufgabe. Deshalb wird er in dieser Spielzeit nicht nur als Theaterleiter und Übersetzer, sondern auch als Regisseur und Schauspieler im Piccolo Teatro zu sehen sein. (lml)


Nordsee-Zeitung 11 September 2019



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